Gleitpfad
Im Voraus festgelegter Zeitplan, nach dem der Anteil riskanter Anlagen schrittweise sinkt, je näher der Termin rückt, für den das Portfolio aufgebaut wurde.
Der Gleitpfad ist ein im Voraus festgelegter Zeitplan der Zielanteile der Anlageklassen, in dem der Anteil riskanter Instrumente als Funktion der bis zum Ziel verbleibenden Zeit vorgegeben ist: Je weniger Zeit bleibt, desto niedriger ist der Aktienanteil und desto höher der Anteil kurzlaufender Anleihen und Geldmarktinstrumente. Es handelt sich nicht um eine einmalige Entscheidung über die Struktur des Portfolios, sondern um eine Abfolge solcher Entscheidungen, die alle gleichzeitig und für die gesamte Laufzeit im Voraus getroffen werden.
Wie der Zeitplan festgelegt wird
Der Gleitpfad wird vom Anlagehorizont aus aufgebaut: Dieser wird in Abschnitte unterteilt, und für jeden Abschnitt wird der angestrebte Portfolioanteil je Anlageklasse festgeschrieben. Die Form des Pfads bestimmen drei Parameter, und alle werden in Worten festgelegt, nicht berechnet: wo der Pfad beginnt, wo er endet und wie steil er abfällt. Die Steilheit bestimmt, innerhalb welchen Zeitraums der riskante Teil abgebaut wird; der Endpunkt liegt fast nie bei null, denn ein Portfolio ohne riskante Anlagen ist dem Inflationsrisiko vollständig ausgesetzt. Die Umsetzung besteht darin, zum Termin des jeweiligen Schritts die tatsächlichen Anteile mit den geplanten zu vergleichen und die tatsächlichen an die geplanten anzupassen.
Was bei einem Schritt mit den Positionen geschieht
Die Senkung des Anteils betrifft die Anlageklasse, nicht einzelne Wertpapiere: Innerhalb des Aktienteils wird in der Regel proportional reduziert, um nicht nebenbei auch die Diversifikation zu verändern. Hält das Portfolio eine Position in einem großen Wert, wird bei jedem Schritt ein Teil davon verkauft, und der Verkaufserlös fließt in kurzlaufende Schuldtitel.
Wo der Begriff missverstanden wird
Der Gleitpfad wird mit dem Rebalancing verwechselt. Das Rebalancing führt die Anteile auf eine feststehende Zielgröße zurück, der Gleitpfad verschiebt die Zielgröße selbst: Jeder Schritt ändert die Zielstruktur, statt die bisherige wiederherzustellen. Die zweite Verwechslung besteht darin, den Gleitpfad als Versprechen eines bestimmten Ergebnisses zu lesen. Der Zeitplan steuert lediglich die Volatilität des Portfolios; er erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, den Zielbetrag zu erreichen, wenn die Einzahlungen dafür nicht ausreichen. Die dritte ist die Vorstellung, die Umschichtung in Anleihen beseitige das Risiko. Sie verändert seine Zusammensetzung: Das Marktrisiko sinkt, doch die Zinsempfindlichkeit, die Inflationsempfindlichkeit und das Kreditrisiko der Emittenten bleiben bestehen und wiegen im späten Abschnitt des Gleitpfads schwerer als zu Beginn.
So lesen Sie den Wert
Die Entscheidung wird einmal und mit kühlem Kopf getroffen; danach ändern sich die Anteile nach dem Zeitplan und nicht nach dem Gefühl, das die aktuellen Nachrichten auslösen.